Die 85. Ausgabe des Langstrecken-Klassikers dürfte einer der dramatischsten der Geschichte gewesen sein. Hier die Momente, die uns den Atem geraubt haben.

Toyotas Rallye-Skills

Toyota hat in der WRC gezeigt, dass sie es im Rallyesport noch drauf haben. Nico Lapierre zeigte dass auch der Toyota TS050 Hybrid im Rallye-Style in Le Mans unterwegs sein kann, als er mehrere langsame GTEs überholte. Ob es Erfahrungsaustausch mit der Rallye-Abteilung gab, ist unbekannt.

Während der Toyota Yaris WRC beeindruckende Sprünge wegstecken kann, ist der Seitenstreifen der Hunaudiers-Geraden für einen LMP1 schon ein hartes Pflaster. Ein Wunder, dass in diesem Moment nicht mehr passiert ist.

Der Geschwindigkeitsunterschied

Dass die LMP2 deutlich schneller als die GTE sein würden war klar, aber wie viel schneller die LMP1 immer noch sind, verdeutlicht diese kurze Szene, gefilmt aus einem Aston Martin der GTE.

Toyota-Drama 2017 – Teil 1

Nach einem planmäßigen Boxenstopp während einer Safetycar-Phase hatte Kamui Kobayashi im führenden Toyota TS050 #7 plötzlich keinen Vortrieb mehr. Unter den Augen der geschockten Toyota-Mannschaft versuchte er sich nur mit Elektro-Antrieb einmal um den 13,5 Kilometer langen Kurs zu schleppen. Musste aber fast in Sichtweite der Boxengasse aufgeben.

Am Abend nach dem Rennen stellte sich heraus, dass ein Fahrer eines anderen Teams Kobayashi am Ausgang der Boxengasse ein Handzeichen gegeben hatte. Kobayashi verwechstelte diesen aufgrund seines orangenen Overalls mit einem Marshall und wollte los fahren. Über Funk wurde er von seinem Team wieder gestoppt, da gerade das Feld hinter dem Safetycar vorbei fuhr.
Lange Geschichte, aber recht einfache Erklärung: Die Kupplung war dem mehrmaligen Anfahren außerhalb der Pitlane nicht gewachsen und versagte.
Normalerweise fahren die LMP1 im E-Modus an und die Kupplung schaltet den Verbrenner erst später zu, was aber in diesem Fall nicht geschah.

Toyota-Drama 2017 – Teil 2

Gerade verdaute das japanische Team noch den Ausfall, da spitzte sich das Drama zu: Der führende Toyota #7 war gerade ausgefallen und Toyota #8 wegen eines Defekts am vorderen Elektromotor weit zurückgefallen, als der Toyota #9 sich als letzter Japaner in einer aussichtsreichen Position wegen eines Reifenschadens vor der Dunlop-Schikane drehte.

Der zerfetzte Reifen beschädigte Ölkühler und dessen Zuleitung und sorgte dafür, dass auch die #9 versuchen musste fast eine ganze Runde rein elektrisch bis zur Boxengasse zu fahren. In Sichtweite der rettenden Box war aber auch hier die Batterie leer und die #9 fiel aus.

„Es ist noch alles offen!“

Begünstigt durch die Ausfälle der Konkurrenz lag der Porsche #1 ganz deutlich vorne. Doch auch 13 Runden Vorsprung bedeuten noch lange nicht, dass der Sieg schon sicher ist.
Plötzlich schlich der Porsche #1 nur noch:


Andre Lotterer klagte über Probleme mit dem Öldruck seines Porsche 919. Zunächst versuchte er mit Elektro-Power zurück an die Box zu kommen. Ca. 45 Minuten hätte die Porsche-Mannschaft dann noch zum Reparieren gehabt, ohne die Führung zu verlieren.

Doch irgendwann war auch die Batterie zu leer und der Führende war plötzlich aus dem Rennen und sorgte damit unbeabsichtigt für eine Sensation…

Führung für einen LMP2

Nach den Dramen Toyotas in der Nacht hatten Sascha und ich schon die Vision eines LMP2-Sieges beim Ausfall des führenden LMP1 und plötzlich schien dies garnicht mehr so abwegig.

Das Team von Jackie Chan DC Racing freut sich über die Gesamtführung bei den 24h von Le Mans 2017 (Foto: FIA WEC)

Das Team von Jackie Chan DC Racing freut sich über die Gesamtführung bei den 24h von Le Mans 2017 (Foto: FIA WEC)

Der Oreca von Jackie Chan DC Racing mit der #38 lag in Führung und plötzlich waren Fahrernamen in aller Munde, die zuvor allenfalls eingefleischte WEC-Fans gekannt haben. Allerdings holte der letzte LMP1 mit realistischen Siegchancen mit großen Schritten auf.

Zurück an der Spitze

Wie von den Experten kalkuliert, konnte sich der Porsche 919 #2 etwa eine Stunde vor Rennende zurückrunden und lag doch wieder in Führung.


Noch am Abend vorher war der Porsche mit der #2 wegen eines Defekts am vorderen E-Motor (wie auch am Toyota #8) und einer einstündigen Reparaturpause schon abgeschrieben.

In der letzten Stunde spulte der Porsche seine Runden problemlos ab und holte doch noch den Sieg!

GTE-Fight bis zur letzten Runde

Die GTE-Klasse bot neben dem Dramen der LMP1 wahrscheinlich den spannendsten Motorsport des Wochenendes. Bis zur letzten Runde kämpften Corvette und Aston Martin um den Sieg der GTE-Pro Wertung.

Nachdem die Corvette zwei mal den passenden Bremspunkt verpasst hatte und sich deswegen an der Front einen Defekt einfing, holte Aston Martin den Sieg.

Podium mit zwei LMP2-Teams

Das siegreiche Team des Porsche 919 #2 (Foto: Porsche)

Das siegreiche Team des Porsche 919 #2 (Foto: Porsche)

Neben dem einzigen verbliebenen LMP1 an der Spitze (Earl Bamber (NZ), Timo Bernhard (DE) und Brendon Hartley (NZ)) standen zwei LMP2-Teams auf dem Podium: Jacki Chan DC Racing #38 und Vaillante Rebellion #13 (beide Oreca 07).

Das Podium der 24h Le Mans 2017 (Foto: FIA WEC)

Das Podium der 24h Le Mans 2017 (Foto: FIA WEC)

Das Gesamtergebnis findet ihr hier: fiawec.alkamelsystems.com

Fun Fact zum Schluss: Der siegreiche Porsche #2 war auch gleichzeitig der Vorletzte der LMP1-Wertung. Neben dem Toyota #8 (Rang 9) kam kein weiteres Fahrzeug aus dieser Klasse ans Ziel.