Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn man beim Nürburgring von der „Grünen Hölle“ spricht.

Diesen Namen bekam die Rennstrecke von Jackie Stewart verpasst, da die durch Wald und Hecken begrenzte Strecke, eine der anspruchsvollsten und gefährlichsten Strecken überhaupt ist.

The exciting "straightaway" - Nürburgring, Germany, 1960

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Überlegungen angestellt, eine Rennstrecke zu bauen, da der Motorsport in Deutschland immer mehr Beliebtheit erlangte. Außerdem sollte die geplante Rennstrecke als Prüfstrecke für Automobilhersteller dienen.

Nach langwierigen Verhandlungen und Standortuntersuchungen wurde die Gegend zwischen Mayen und Adenau ausgewählt, da diese ideale geographische Gegebenheiten mit vielen Steigungen und Gefällen, Hochebenen und Tälern bot. Außerdem war es eine dünnbesiedelte und strukturschwache Gegend und sollte mit Bau einer Rennstrecke zum wirtschaftlichen Aufschwung verholfen werden.

Am 27. September 1925 fand die offizielle Grundsteinlegung statt. Dort wurde auch der Name „Nürburgring“ festgelegt. Erbauer war der Landrat Adenaus, Dr. Otto Creutz.

Der Bau wurde im Frühjahr 1927 fertiggestellt und feierte seine Premiere mit dem Eifelrennen am 18. Juni 1927. Entstanden ist eine einzigartige Strecke mit Landstraßencharakter. Die durchschnittliche Streckenbreite ist 8 m und die Gesamtlänge, zusammengesetzt aus Nord- und Südschleife, betrug 28 km.

Nürburgring, Germany 1960

Seit daher wurde Geschichte geschrieben auf dem Nürburgring. Legenden wie Bernd Rosemeyer und Rudolf Caracciola umrundeten den Kurs unzählige Male und lieferten sich waghalsige Kämpfe auf der Strecke. Beide zahlten mit ihrem Leben im Rausch der Geschwindigkeit und es sollten noch mehrere folgen. Am tiefsten ins Bewusstsein eingebrannte Ereignis war der schwere Rennunfall von dem österreichischen Rennfahrer Niki Lauda, welcher am 01. August 1976 mit seinen Formel 1 Boliden auf dem Nordschleifenabschnitt „Bergwerk“ verunglückte und mit äußerst schweren Brandverletzungen überlebte.

Im schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte, oder passender, der Weltgeschichte, nämlich während des 2. Weltkrieges wurde der Nürburgring sehr in Mitleidenschaft gezogen. Nicht nur die mangelnde Unterhaltung, sondern auch die Nutzung als Vorstoßweg der alliierten Truppen, mit ihren tonnenschweren Panzern, fügte dem Streckenbelag schweren Schaden zu.

Nach dem Krieg wurde mit Hilfe der französischen Besatzungstruppen der Nürburgring wieder aufgebaut und instandgesetzt.

Seit daher wurden und werden viele Rennen in den unterschiedlichsten Rennserien, ob auf 2 oder 4 Rädern auf dem Nürburgring ausgetragen. Durch viele tödliche Unfälle in der Formel 1 und 2 wurden diese Rennserien im Jahre 1976 endgültig auf den Hockenheimring verlegt. Niki Laudas Unfall war aber nicht der ausschlaggebende Auslöser sondern die hohen Sicherheitsstandards des mit Leitplanken nachgerüsteten Hockenheimrings. Nachdem die Abwanderung hochkarätiger internationaler Rennwettbewerbe drohte, entschloss man sich eine 4,5 km lange Grand-Prix-Strecke zu bauen, welche die alte Start-Ziel-Gerade integrierte, dazu wurde eine neue Boxengasse gebaut.

1984 wurde die Grand-Prix-Strecke mit einem Rennen der Mercedes-Benz 190 E Tourenwagen eröffnet, welches live im TV übertragen wurde. Seit 1995 wurde dann auch wieder die Formel 1 auf dem Nürburgring als Großer Preis von Europa ausgetragen. Unzählige Motorsportgrößen wie James Hunt, Niki Lauda, Keke Rosberg, Stirling Moss, Ayrton Senna und Michael Schumacher siegten auf dem Nürburgring und erlangten Weltruhm.

2011 Nürburgring 24h Race

Die bekanntesten Rennserien auf dem Nürburgring:

  • VLN-Langstreckenmeisterschaft und 24-Stunden-Rennen Nürburgring (GP-Strecke + Nordschleife => 25,9 km)
  • RCN – Rundstrecken Challenge Nürburgring
  • GLP – Gleichmäßigkeitsprüfung Nürburgring – Nordschleife
  • DTM – Deutsche Tourenwagenmeisterschaft
  • WTCC – FIA Tourenwagen Weltmeisterschaft (erstmals 2015)
  • Formel 1 (ausgesetzt seit 2015)
  • Truck-Grand Prix
  • Superbike-Weltmeisterschaft
  • Rallye-Köln-Ahrweiler (Wertungsprüfungen auf der alten Südschleife und in umgekehrte Richtung auf der Nordschleife)

STRECKENABSCHNITTE NORDSCHLEIFE:

Neue Einfahrt Nordschleife
1998 wurde die neue Zufahrt an der Döttinger Höhe eröffnet. Gegen eine Gebühr kann von hier die Nordschleife mit dem Privatwagen befahren werden.
Antoniusbuche
Bis 1935 stand auf der linken Seite unter einer Buche ein dem heiligen Antonius geweihter Altar. Der Altar und die Buche mussten 1935 der Bundesstraße 258 weichen.
Tiergarten
In Zeiten der Grafen von Nürburg soll sich hier ein Begräbnisplatz für die im Kampf umgekommenen Tiere befunden haben.
Hohenrain
Hohenrain ist die Ackergrenze (Rain) einer hochgelegenen Fläche.
T13
Dieser Abschnitt ist nach der Tribüne T13 benannt. In diesem Abschnitt bzw. direkt vor der Tribüne T13 befindet sich bei reinen Nordschleifen-Veranstaltungen Start und Ziel. In Tribüne T13 ist eine kleine Boxengasse mit Rennleitung, Zeitnahme und Streckensicherung integriert. Bis 1998 war hier auch eine Zufahrt für die Touristenfahrten.
Hatzenbach
Neben der Strecke läuft hier der gleichnamige Hatzenbach.
Hatzenbach
Hocheichen
Für den Bau der Strecke wurden hier viele hohe Eichen gefällt.
Quiddelbacher-Höhe
Dieser Abschnitt liegt auf einer Anhöhe oberhalb der Ortschaft Quiddelbach
Flugplatz
Auf der linken Seite befand sich in den 1930er-Jahren ein Segelfluggelände.
Schwedenkreuz
Rechts von der Strecke steht ein Steinkreuz aus dem Dreißigjährigen Krieg. 1638 wurde hier der Bürgermeister von Kelberg Hans Friedrich Datenberg von schwedischen Soldaten beraubt und erschlagen. Heute ist das 2,90 m große Steinkreuz mit Eisen verstärkt, nachdem es 1895 zu Bruch gegangen war.
Aremberg
Der Aremberg liegt ca. 10 Kilometer nordwestlich dieses Abschnittes, er konnte in den 1930er-Jahren von hier aus gesehen werden.
Postbrücke
Hier kreuzt die ehemalige Poststraße zwischen Adenau und Quiddelbach den Nürburgring.
Fuchsröhre
Während der Bauarbeiten versteckte sich hier ein Fuchs in einer Drainagenröhre, und die Bauarbeiter gaben dem Abschnitt diesen Namen.
Adenauer Forst
Die Rennstrecke führt hier durch den Forst der Gemeinde Adenau.
Metzgesfeld
Der Name leitet sich aus der auch heute im Grundbuch eingetragenen Flurbezeichnung ab. Die Flurbezeichnung ist wiederum eine Ableitung des ehemaligen Eigentümernamens Mertges.
Kallenhard
Der Kallenhard ist eine 471 m hohe Erhebung, um die der Streckenabschnitt herumführt.Hard bzw. Hardt, steht für Bergwald oder einen bewaldeten Hang.
Wehrseifen
Seifen ist eine Bezeichnung aus dem Mittelniederdeutschen für ein Bachtal. Der Wehrseifen war im Mittelalter die Grenze zwischen den Herrschaftsbereichen Adenau und Breidscheid.
Ex-Mühle
Hier, außerhalb von Adenau, stand während der Bauphase noch eine Mühle. An dieser Strecke sollten nach einer frühen Planung die Start- und Zielanlage entstehen, aber der Mühlenbesitzer stellte die notwendigen Grundstücke nicht zur Verfügung. Hier befindet sich auch die Ausfahrt Breidscheid.
Bergwerk
Hier wurde in einem Bergwerk bis ca. 1900 Blei und Silber gefördert.
Kesselchen
Der Name bezieht sich auf die Form des Talkessels
Klostertal
Im 14. Jahrhundert gab es hier ein Johanniter-Kloster.
Steilstrecke
Die Steilstrecke, die geradeaus durch den Wald führt und das Karussell abkürzt, wurde ursprünglich für Automobiltests gebaut. Die Strecke hat bis zu 27 % Steigung und kann heute nur als Fußweg genutzt werden.
Caracciola-Karussell
Das Karussell ist eine der letzten im europäischen Rundstrecken-Motorsport genutzten Steilkurven. 2001 wurde das Karussell zum hundertsten Geburtstag von Rennfahrer Rudolf Caracciola umbenannt.
Blick auf das Caracciola-Karussell - Nürburgring-Nordschleife
Hohe Acht
Der Streckenabschnitt ist nach dem 1400 m entfernten gleichnamigen Berg benannt. Mit 747 Metern ist er der höchste Punkt der Eifel.
Hedwigshöhe
Die Höhe ist nach der Ehefrau des Landrats Dr. Otto Creutz, dem geistigen Vater des Nürburgrings, benannt. Hedwig Creutz soll hier die Aussicht genossen haben, während ihr Mann auf der Baustelle war.
Wippermann
Der Streckenabschnitt war früher durch lange Bodenwellen geprägt. Diese wurden in den 1970er-Jahren entschärft.
Eschbach
Namensgeber sind ein gleichnamiger Bach und der Ort Herresbach-Eschbach.
Brünnchen
Ein Quellgebiet für die Gemeinde Herschbroich.
nordschleife_0704_029
Pflanzgarten
Hier befanden sich im Mittelalter die Gärten der Grafen von Nürburg.
Stefan-Bellof-S
Am 10. August 2013 wurde der Pflanzgarten II in Stefan-Bellof-S, zum 30. Jahrestages seines immer noch bestehenden Rundenrekords, umbenannt.[9]
Schwalbenschwanz
Auf den Planungskarten sah die Strecke aus wie das Ende eines Schwalbenschwanzes.
Galgenkopf
Der Name wurde ebenfalls vom Flurnamen übernommen, hier befanden sich die ehemalige Richtstätte und der Galgen der Grafen von Nürburg.
Döttinger-Höhe
Die lange Gerade auf der Höhe ist nach der nahegelegenen Gemeinde Döttingen benannt.

Der Nürburgring diente bisher aber nicht nur als Rennstrecke. 1985 wurde das legendäre Festival „Rock am Ring“ ins Leben gerufen. Dies fand bis 2014 jährlich hinter den Boxengassen im Fahrerlager-Bereich statt. Das Fesitval wuchs stetig und erreicht im Jahr 2013 mit 87.000 Besuchern einen neuen Rekord. Ab 2015 fand es auf dem Flugfeld in Mendig, unweit des Nürburgrings statt. 2017 kommt das Festival wieder an seine Geburtsstätte zurück, da die Sicherheitslage am Flugplatz Mendig vor Unwettern und die dadurch verbundenen verletzten Besucher im Jahr 2015 und 2016 nicht mehr gegeben war. Viele freut es ihr geliebtes Rock am Ring wieder am Nürburgring zu haben. Da gehört es hin!

rock am ring

Nürburgring 2009

Am 10. Juli 2009 öffnete der „neue“ Nürburgring seine Pforten. Mit Steuergeldern in Höhe von ca. 350 Millionen Euro wurde am Nürburgring eine Art Freizeitpark geschaffen. Es wurde eine neue Haupttribüne gebaut, die 5.000 Besuchern Platz bietet. Dazu wurde eine große Einkaufsmeile, der Ring°Boulevard gebaut, welcher unter anderem Shops von Automobilherstellern und Zulieferern beherbergt. Außerdem wurde ein 4-Sterne Lindner Hotel und ein 3-Sterne Lindner Hotel gebaut. Das Eifeldorf wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet, welches aus diverse Restaurants und einer Diskothek besteht. An der neuen Nordschleifen-Auffahrt im Abschnitt „Döttinger Höhe“ bis „Antoniusbuche“ befindet sich das Devil’s Diner, das seit diesem Jahr sogar von einem ehemaligen Rallye-Copiloten geführt wird. Hier kann man teuflische gute Burger essen in toller Motorsport-Atmosphäre und mit dem Charm eines American Diners.

Devil's Diner Nürburgring

Das Devil’s Diner – Bild: Gareth Jones, Flickr.com

Hier gehts zur Facebook Seite vom Devil’s Diner

Nürburgring Impressionen

Das absolute Highlight sollte eine Achterbahn, der „Ring-Racer“ werden, welche aber nie, wegen technischen Mängeln, für die Öffentlichkeit in Betrieb genommen wurde. Das Ende vom Lied kennt man ja. Im Juli 2012 ging der Nürburgring in die Insolvenz. Die Rennstrecke, der Freizeitpark und die Hotels wurden öffentlich ausgeschrieben und im März 2014 für 77 Millionen Euro den Automobilzulieferer Capricorn verkauft. Zwei Drittel der Anteile am Nürburgring hält der russische Milliardär Viktor Charitonin, da er die Capricorn-Anteile übernommen hat und ein Drittel gehört Getspeed.