„Grüne Hölle“ – diesen Spitznamen gab Formel 1 Fahrer Jackie Stewart einst der Nürburgring-Nordschleife. Das berüchtigte 24-Stunden-Rennen auf der herausfordernden, gut 25 Kilometer langen Rennstrecke hat der Bebraner Fritz Hebig am Himmelfahrts-Wochenende gemeistert – und das mit sensationellem Erfolg.
Vor der gewaltigen Kulisse von 352.000 Zuschauern ging Hebig zusammen mit drei Teamkollegen bei dem Langstreckenklassiker an den Start. Insgesamt hatten sich 161 Fahrzeuge mit 584 Fahrerinnen und Fahrern für eines der härtesten Langstreckenrennen der Welt eingeschrieben. Darunter auch absolute Weltstars wie der viermalige Formel-1-Weltmeister Max Verstappen, der zweimalige DTM-Champion Timo Scheider oder Ex-Fußball-Profi Max Kruse, der mit einem eigenen Team antrat.

Relativ spontan beschlossen Fritz Hebig, Boris Hrubesch (Schweiz), Michael Wolpertinger (Nürburg) und Fabian Tillmann (Geseke), dass sie mit dem seriennahen VW Golf GTI des Teams Timeattack Paderborn beim Langstreckenklassiker antreten möchten. Übung, Erfahrung und die notwendige Nordschleifen-Lizenz besaßen sie bereits. Alle haben bereits hunderte Runden auf dem anspruchsvollen Kurs absolviert. Dadurch und durch regelmäßige Trainingssessions im Fitnessstudio oder auf dem Rennrad konnten die vier eigentlich kaum besser vorbereitet sein.
Im Vorfeld wurde noch ein bisschen mit dem Golf GTI getestet. Zum einen galt es das perfekte Fahrwerks-Setup zu finden und in Abstimmung damit die passenden Reifen auszuwählen. Nach vier Reifenschäden und der Erkenntnis, dass die Vorderreifen nach 14 Runden „gegrillt“ sein würden, wechselte man auf einen anderen Reifenhersteller.
Getriebeprobleme stellen Projekt auf die Kippe
Doch zwei Tage vor dem eigentlichen Start des Rennens stand das Projekt plötzlich auf der Kippe: Das DSG-Getriebe des Golf GTI streikte. Der absolute Alptraum so kurz vor einem solchen Härtetest wie einem 24h-Rennen. Die Mechaniker waren am Zug. Zusammen mit einem Getriebe-Spezialisten, welcher extra zur Rennstrecke gebracht wurde, überholten sie kurzerhand das Getriebe. So konnte das Auto problemlos an den Start rollen.

Es hat sich gelohnt. Trotz des extrem wechselhaften und unberechenbaren Eifelwetters – nachts sank die Temperatur bis auf 2 Grad und immer wieder sorgte Regen für anspruchsvolle Streckenverhältnisse – lieferte das Fahrerquartett eine nahezu fehlerfreie Leistung ab. Nach 24 Stunden Nervenkitzel überquerte der „Abenteuer Golf“ – so wurde der Rennwagen vom Team liebevoll genannt – am Sonntagnachmittag die Ziellinie als Klassensieger. Um so beachtlicher ist die Leistung, wenn man bedenkt, dass man in der Klasse VT2-FWD das Fahrzeug mit dem schwächsten Motor hatte. Im Gesamtklassement aller Fahrzeuge, inklusive der über 40 GT3-Rennwagen von Porsche, Ferrari, Lamborghini und Co, bedeutete das einen hervorragenden 62. Platz. 125 Runden absolvierten Hebig und sein Team in 24 Stunden.
Magische Morgendämmerung
Als sein persönliches Highlight beschreibt Fritz Hebig übrigens nicht etwa die Siegerehrung, sondern die magischen Momente im Cockpit. Hebig übernahm mitten in der Nacht bei völliger Dunkelheit das Steuer von seinem Teamkollegen. Während die Fans um die Strecke herum noch feierten und Feuerwerk zündeten brachte Hebig den Golf problemlos durch die nächsten drei Stunden. Der Sonnenaufgang tauchte die Eifel währenddessen langsam in ein malerisches Licht. Ein Moment, den der Bebraner so schnell sicher nicht vergessen wird.
Direkt nach dem Passieren der schwarz-weiß karierten Zielflagge erfolgte die obligatorische Sektdusche. Erschöpfung, Anspannung und Stress waren schlagartig vergessen und schlugen in pure Euphorie um. Nicht nur bei Fahrern und Team, sondern auch bei Freunden und Familie, die das Rennen live vor Ort oder vor dem Fernseher verfolgt hatten.

Nach der Siegerehrung hieß es noch nicht „Füße hochlegen“. Rennwagen und Equipment wollten noch verladen werden. Anschließend ging es mit dem Wohnmobil zurück nach Bebra, wo Hebig am Montag schon wieder für einige Stunden hinter dem Steuer eines Fahrzeugs Platz nahm: Als Inhaber des Fuhrunternehmens Taxi Kessler war er dann allerdings deutlich entspannter unterwegs.
Titelfoto: FS Motorsport Fotografie